Mit Machen

Medienmündigkeit bei Kindern und Jugendlichen fördern

130 Teilnehmer/-innen beim Online-Fachtag des Jugendhilfenetzes Südostbayern.

Zum ersten Online-Fachtag des Jugendhilfenetzes Südostbayern trafen sich am Dienstag, 3. Februar 130 Fachkräfte der stationären Kinder-, Jugend und Behindertenhilfe aus den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein, Mühldorf und Altötting, um  darüber zu diskutieren, wie sie Kinder und Jugendliche für einen kompetenten Umgang mit den digitalen Medien befähigen können.

In seiner Begrüßung betonte Silvio Gödickmeier, Sprecher des Jugendhilfenetzes Südostbayern und Geschäftsführer von Startklar Soziale Arbeit Oberbayern, wie wichtig es sei, dass Fachkräfte sich mit der digitalen Entwicklung beschäftigten, um junge Menschen auch in diesem Bereich individuell zu fördern und vor Risiken zu schützen. „Unser Ziel ist es, die Qualität unserer Arbeit immer weiter zu verbessern, damit die Kinder und Jugendlichen in unseren Einrichtungen in einem geschützten Raum  aufwachsen können, dazu gehört auch der Schutz in den digitalen Räumen“, so Gödickmeier.


Welche enorme Bedeutung die Förderung der Medienmündigkeit bei Kindern und Jugendlichen hat, zeigte sich auch an den Teilnehmern. Neben den pädagogischen Fachkräften aus 18 stationären Einrichtungen  nahmen Vertreter der Jugendämter, des Bezirks und der Regierung von Oberbayern sowie Politiker teil.

Der Altöttinger Landrat Erwin Schneider wies in seiner Begrüßung daraufhin, dass Medienerziehung noch nie so wichtig war wie heute. Als Vater schulpflichtiger Kinder könne er selbst täglich erleben wie digitales Lernen und „Zocken“ im Netz miteinander verschwämmen und wie wichtig gute Aufklärung sei. Stephan Antwerpen, Bürgermeister der Kreisstadt Altötting, warnte vor der sozialen Verrohung, die in den Sozialen Medien zu beobachten sei und forderte, dass Medienkompetenz und Sozialkompetenz gemeinsam gefördert werden müssten, um Hass und Hetze im Netz vorzubeugen. Johannes Ebertseder, Gesamtleiter des Franziskushauses Altötting, dem ursprünglich geplanten Veranstaltungsort des Fachtages, appellierte an die Politiker die Erziehungshilfe in der Corona-Krise und bei der digitalen Transformation nicht zu vergessen. Er habe den Eindruck, dass sich die Probleme in den Familien im zweiten Lockdown verschärften, was auch an einer steigenden Nachfrage bei den Inobhutnahmen zu beobachten sei. Ebertseder warb für die Beschäftigung mit den digitalen Medien, um Kinder und Jugendliche auch präventiv zu begleiten.

Aus Sicht des Geschäftsführers von NEON, Benjamin Grünbichler,  gibt es in Deutschland aktuell zwei wissenschaftliche Ansätze, in dessen Spannungsfeld sich Eltern und pädagogische Fachkräfte befinden: Auf der einen Seite fordern IT-Fachkräfte und Medienpädagogen einen möglichst frühen Einsatz digitaler Medien auch in Grundschulen, da die Digitalisierung nicht mehr aufzuhalten sei und Kinder den Umgang mit den digitalen Geräten möglichst früh erlernen sollen. Auf der anderen Seite warnen Kinderärzte, Entwicklungsforscher und Pädagogen davor, Kinder zu früh – vor allem unbegleitet – in die digitale Welt zu entlassen, da das Erleben der natürlichen Welt mit allen Sinnen in jungen Jahren Priorität habe. Grünbichler, der als Berater für Onlinesucht vor allem auch die Gefahren im Netz kennt, appellierte an die Verantwortung der Eltern und der Fachkräfte, Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt individuell zu begleiten und diese nicht zu früh mit den neuen Medien zu überfordern.

Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Dr. Daniel Hajok, Arbeitsgemeinschaft Kindheit, Jugend und neue Medien, identifizierte in seinem Vortrag nicht nur die Risiken sondern auch die Chancen der digitalen Medien für Jugendliche. Jugendliche fänden dort eine Spielwiese, um sich selbst auszuprobieren und darzustellen, um sich Informationen zu beschaffen, sich zu vernetzen und auch in bislang unbekanntem Maße an gesellschaftspolitischen Prozessen teilzuhaben. Das fördere Kreativität und vernetztes Denken, so der Wissenschaftler. Dennoch sieht Hajok auch die Gefahren, die im Netz lauern und nannte, Hass und Hetze, Gewalterfahrungen, Cybermobbing, Onlinesucht oder Missbrauch von persönlichen Daten als mögliche Gefahrenquellen. Um Kinder und Jugendliche kompetent für die digitale Welt zu machen, braucht es insbesondere in stationären Einrichtungen medienpädagogische Konzepte, die leider vielerorts noch fehlten. 

Im letzten Teil des Fachtages warb Esther Christmann, Medienpädagogin für den erzieherischen Jugendmedienschutz im Amt für Jugend und Familie in Regensburg, für eine offene Haltung bei Eltern und Fachkräften im Umgang mit den sozialen Medien und gab noch konkrete Tipps mit auf den Weg: „Zeigen Sie Interesse an Medieninhalten, begleiten Sie Kinder und Jugendliche bei der Mediennutzung, sprechen Sie offen über mögliche Risiken, seien Sie ein vertrauensvoller Ansprechpartner und behalten Sie den Überblick“.

„Die neuen Erkenntnisse und praktischen Tipps werden wir jetzt in unseren Einrichtungen anwenden. Wichtig ist, dass wir immer wieder das Gespräch mit den Jugendlichen suchen, denn Medienarbeit ist auch Beziehungsarbeit“, so Gödickmeier, der sich über die durchwegs positiven Rückmeldungen, die ihn im Chat erreichten, riesig freute.


 

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