Wie können wir Kinder auch in herausfordernden Situationen sicher, wertschätzend und konsequent begleiten? Mit dieser Frage hat sich das Team der Offenen Ganztagsschule (OGTS) an der Grundschule Freilassing gemeinsam mit Startklar Soziale Arbeit in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Dank der Förderung durch die Glücksspirale konnte das pädagogische Konzept weiterentwickelt werden. Grundlage ist das Konzept der „Neuen Autorität“ des Erziehungswissenschaftlers Haim Omer.
Was bedeutet Neue Autorität?
Haim Omer entwickelte das Konzept der Neuen Autorität vor dem Hintergrund seiner Arbeit mit besonders herausfordernden Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien in Israel. Dabei beobachtete er, dass problematisches Verhalten häufig nicht durch mehr Kontrolle oder Strafen verbessert wird, sondern durch eine verlässliche Präsenz und Standhaftigkeit der Erwachsenen. Omer zufolge sind viele Eltern und pädagogische Fachkräfte im Umgang mit Grenzen verunsichert, seit die traditionelle, machtbasierte Autorität in der Erziehung in Verruf geraten ist. Als Antwort darauf entwickelte er mit seinem Team das Konzept der Neuen Autorität, ein Konzept, das nicht auf Macht und Zwang, sondern auf Präsenz, Beziehung, Selbstkontrolle und gewaltlosen Widerstand basiert. Erwachsene bleiben konsequent ansprechbar, setzen klare Grenzen und fordern bei Grenzverletzungen beharrlich Wiedergutmachung und Verhaltensänderung ein, ohne auf Eskalation oder Bestrafung zu setzen. Das Konzept wird inzwischen von zahlreichen Fachpersonen aus Pädagogik, Psychologie und Sozialer Arbeit weiterentwickelt und in verschiedenen Praxisfeldern angewendet.
„Neue Autorität bedeutet, präsent zu sein – gerade in schwierigen Momenten. Kinder erleben damit verlässliche Erwachsene, die auch in schwierigen Konflikten die Beziehung halten, aber Veränderungen fordern“, erläutert Stefanie Eschig, Trainerin für Neue Autorität von Startklar Soziale Arbeit.
Umsetzung im Ganztag
Damit diese Haltung im Ganztagsalltag gelebt werden kann, absolvierte das Team der OGTS drei intensive Fortbildungstage. Themen waren unter anderem Präsenz und Selbstkontrolle, Deeskalation, wachsame Sorge sowie der konstruktive Umgang mit Grenzverletzungen. Ziel war es, die Inhalte praxisnah auf den Alltag in der Offenen Ganztagsschule zu übertragen und ein gemeinsames pädagogisches Verständnis zu entwickeln.
Die ersten positiven Veränderungen sind bereits spürbar. „Wir merken schon jetzt, wie sich der gemeinsame fachliche Rahmen auf unseren Alltag auswirkt. Das Team fühlt sich sicherer im Umgang mit herausfordernden Situationen, und das überträgt sich spürbar auf die Kinder“, berichtet Gabi Krause, Leitung der OGTS an der Grundschule Freilassing.
Vorstellung im Netzwerk und Ausblick
Auch die Netzwerkpartner der Schule konnten sich bereits ein Bild von der Weiterentwicklung machen. Im Juni wurde das Konzept vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Die Einführung der Neuen Autorität versteht die OGTS dabei ausdrücklich als langfristigen Entwicklungsprozess. Zwei weitere Teamtermine sind bereits geplant, um die Inhalte weiter zu vertiefen und dauerhaft im pädagogischen Alltag zu verankern.