Wenn Verhalten zum Hilferuf wird
Die Begleitung einer Jugendlichen im Freiwilligen-Kontext
Lenas Geschichte beginnt mit einem traumatischen Erlebnis, über das sie nicht sprechen kann. Ihre Eltern sehen nur die Auswirkungen: Sie wird traurig, still, zieht sich zurück, will ihre Freunde nicht mehr sehen und begräbt ihre Hobbies. Sie fragt um Hilfe, doch ihr wird gesagt, dass das normal ist für Teenager. In der Pubertät hat man das eben manchmal, das geht vorbei.
Neben ihren eigenen Problemen trägt Lena ihre Mutter mit, denn diese hat ebenfalls psychische Probleme. Wenn es der Mutter schlecht geht, managt Lena den Haushalt, darf dann niemanden sehen, soll ja nicht auffallen. Geht es der Mutter wieder besser, ist es so, als sei nie etwas gewesen, als gäbe es keine Probleme und als würde Lena nicht das letzte bisschen Energie, das sie hat, in die Aufrechterhaltung des häuslichen Lebens stecken.
Der Vater ist eine Ressource für sie, er hört zu, schraubt mit ihr an Autos. Doch er ist selten da, oft im Ausland, und auch er will das Bild der Familie nach außen aufrechterhalten. Lenas „pubertäre Phase“ geht nicht vorbei, sie wird zur ausgewachsenen depressiven Episode, sie hört auf zu essen, wird selbstverletzend. Endlich reagieren ihre Eltern, schicken sie zu einer Therapeutin, die sie weiter in eine Klinik für Essstörungen verweist. Doch auch dort ist Lena nicht richtig. Niemand hört ihr zu. Die Depression ist es doch, die ihr allen Willen nimmt. Aber in der Klinik geht es nur ums Zunehmen, also zwingt sie sich zum Essen und wird schließlich entlassen, doch die Schwere bleibt. Sie geht kaum noch zur Schule, verletzt sich weiterhin selbst.
„Ich hatte das Gefühl, als würde ich niemals älter als 16 werden.“
Mit der zweiten Therapeutin beginnt ein Aufwärtsschwung. Nach den Gesprächen fühlt sich Lena verstanden und um vieles leichter. Es folgen traumatherapeutische Ansätze und Elterngespräche. Doch die Last, die Lena trägt, hat sich inzwischen so angestaut, dass die Therapeutin nicht mehr alleine alle Themen bearbeiten kann.
Elisabeth Staber, Flexible Hilfen, Startklar Soziale Arbeit Rosenheim-Ebersberg
