Wenn Jugendliche die Zukunft nicht mehr sehen – und was wir dagegen tun können

Mitarbeitende von Jonathan Soziale Arbeit bei der Fachtagung des Bayerischen Jugendrings

Mathias Mayer vom Haus der Jugend Bad Reichenhall und Alex Harsch, Bereichsleitung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), waren kürzlich Gäste der Fachtagung des Bayerischen Jugendrings (BJR). Das Thema: „Perspektivlosigkeit – Raus aus der Dauerkrise!“
Was sie mitgebracht haben sind Impulse, die unsere Arbeit vor Ort unmittelbar berühren.

Was das für unsere Arbeit bedeutet

Genau hier setzt die Offene Kinder- und Jugendarbeit an – und genau das macht sie so unverzichtbar. Nicht als Feuerwehr, die erst kommt, wenn es brennt, sondern als verlässlicher Ort im Alltag junger Menschen, bevor sich Krisen verfestigen.

Matthias Hummel vom BJR, der auf der Tagung die aktuellen Entwicklungen und Perspektive der Landesebene einbrachte, stellte vor, wo der BJR aktuell inhaltliche Schwerpunkte setzt: Themen wie Gaming, Social Media oder digitale Jugendkultur dürfen nicht pauschal problematisiert werden, sondern sind inzwischen ein Teil jugendlicher Lebensrealität und sollten auch als solcher verstanden werden.

Gaming beispielsweise ist längst ein bedeutender sozialer Raum für viele Jugendliche. Hier entstehen Gemeinschaft, Kommunikation und Identität. Für die Offene Jugendarbeit bedeutet das, diese Räume nicht abzulehnen, sondern pädagogisch aufzugreifen und sinnvoll einzubinden.

Auch soziale Medien können – richtig begleitet – kreative und positive Möglichkeiten bieten: Jugendliche können sich ausdrücken, eigene Themen sichtbar machen und Beteiligung erleben.

Für die Mitarbeitenden von Jonathan Soziale Arbeit war dies ein wichtiger fachlicher Impuls: Gute Jugendarbeit bedeutet, die Perspektiven der Jugendlichen verstehen zu wollen und gemeinsam Wege zu entwickeln, die Orientierung und Selbstwirksamkeit fördern.

Safer Spaces: Räume, die Sicherheit und Teilhabe ermöglichen

Teil der Fachtagung war auch das Thema „Safer Spaces“. Gemeint sind damit spezielle sichere Räume für Gruppen von Jugendlichen, die diskriminierende Erfahrungen im Alltag erleben oder gesellschaftlich weniger sichtbar sind. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie Offene Kinder- und Jugendarbeit diese Gruppen unterstützen kann.

Die Diskussion machte deutlich: Safer Spaces entstehen nicht allein durch Konzepte oder Regeln. Sie entstehen durch Haltung, Beziehung und eine bewusste Gestaltung pädagogischer Räume.

Für unsere Jugendhäuser bedeutet das beispielsweise:

  • Jugendlichen aufmerksam zuzuhören
  • unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen
  • Beteiligung aktiv zu fördern
  • respektvollen Umgang konsequent einzufordern
  • und Räume zu schaffen, in denen junge Menschen sich ausprobieren und einbringen
    können

Solche Orte sind für Jugendliche wichtig. Sie schaffen Zugehörigkeit, stärken Gemeinschaft und fördern die Erfahrung, mit den eigenen Themen ernst genommen zu werden.

Zuhören als zentrale pädagogische Kompetenz

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf den Themen Empathie, Achtsamkeit und Resilienz. Es wurde sensibilisiert dafür, dass junge Menschen oft nicht sofort fertige Lösungen brauchen – sondern zunächst jemanden, der zuhört.

Gerade die sogenannten „Zwischen-Tür-und-Angel-Gespräche“ sind in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit von großer Bedeutung. Häufig entstehen genau dort ehrliche Gespräche über Sorgen, Ängste oder Überforderung.

Die Tagung vermittelte praxisnahe Ansätze, wie Fachkräfte Jugendliche empathisch begleiten können, ohne vorschnell Lösungen vorzugeben. Zuhören, Gefühle ernst nehmen und gemeinsam Perspektiven entwickeln – das sind zentrale Kompetenzen moderner Sozialer Arbeit.

Gleichzeitig wurde auch thematisiert, wie wichtig Selbstfürsorge und Burnout-Prophylaxe für Fachkräfte sind. Wer junge Menschen langfristig begleiten möchte, braucht selbst stabile Strukturen, fachlichen Austausch und Möglichkeiten zur Reflexion.

Offene Jugendarbeit als wichtiger Bestandteil lebendiger Regionen

Die Inhalte der Fachtagung zeigen deutlich, welche gesellschaftliche Bedeutung Offene Kinder- und Jugendarbeit heute hat.

Sie schafft Orte, an denen junge Menschen: Gemeinschaft erleben, Beteiligung erfahren, Beziehungen aufbauen, Unterstützung finden und Perspektiven entwickeln können.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit sind solche Räume wichtiger denn je. Sie stärken junge Menschen im Alltag und tragen dazu bei, soziale Teilhabe und Zusammenhalt zu fördern.

Damit dies gelingen kann, braucht es Zusammenarbeit: zwischen Jugendarbeit, Schulen, Kommunen, Vereinen, Politik und weiteren regionalen Akteuren. Die Fachtagung machte deutlich, wie wertvoll dieser Austausch ist und wie wichtig starke Netzwerke für die Entwicklung junger Menschen sind.

Für Jonathan Soziale Arbeit nehmen Mathias Mayer und Alex Harsch deshalb viele fachliche Impulse aus der Tagung mit – vor allem aber die Bestätigung, wie relevant lebensweltorientierte, präventive und beziehungsorientierte Jugendarbeit heute ist.

Denn Perspektiven entstehen dort, wo junge Menschen erlebt haben: Jemand hört zu. Jemand interessiert sich. Und jemand traut ihnen Zukunft zu.