Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Im Dezember wurde das Netzwerk Töging zu einem Denkraum für die Zukunft. Mitarbeiter*innen aus allen Betrieben der Startklar Gruppe kamen zur ersten Zukunftswerkstatt zusammen. Ziel dieses neuen Formats war es, Mitarbeiter*innen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern miteinander ins Gespräch zu bringen – über ein Thema, das uns als Träger verbindet und herausfordert. In diesem Jahr fiel die Wahl bewusst auf Demokratiebildung.
Warum Demokratiebildung?
Die Demokratie steht unter Druck – nicht abstrakt, sondern ganz konkret im Alltag. Rechtspopulistische Positionen gewinnen an Raum, Ausgrenzung wird normalisiert, Vielfalt und Mitbestimmung werden infrage gestellt. Kinder und Jugendliche erleben das in Schulen, im Netz und im familiären Umfeld. Als sozialer Träger tragen wir hier eine besondere Verantwortung. Unsere Arbeit endet nicht bei Betreuung oder Förderung, sie ist immer auch ein Beitrag zu gesellschaftlicher Teilhabe, sozialer Gerechtigkeit und einer lebendigen Demokratie.
Doch was heißt das für unsere tägliche Praxis?
Sind wir vor allem Dienstleister oder gestalten wir aktiv gute Lebensbedingungen für Kinder, Jugendliche und Familien? Wie stärken wir junge Menschen darin, kritisch zu denken, Haltung zu zeigen und solidarisch zu handeln? Und wie leben wir selbst demokratische Kultur in Teams, Einrichtungen und in der Organisation insgesamt? Diese Fragen stellten wir uns bei der Zukunftswerkstatt.
Raum für Utopien und konkrete Schritte
Methodisch orientierte sich die Zukunftswerkstatt an dem klassischen Modell nach Robert Jungk, ergänzt durch Elemente der Dynamic Facilitation. Dieser Ansatz ermöglichte eine Analyse des Ist-Zustands, die Entwicklung von Utopien und schließlich die Entwicklung konkreter Handlungsideen, die vom Wissen und der Erfahrung aller Teilnehmer*innen getragen werden.
Dabei zeigte sich auch eine gewisse Spannung: Unser „Startklar-Gen“, schnell ins Handeln zu kommen, kollidierte stellenweise mit der Utopiephase. Große Visionen wie „Wir stellen das Bildungssystem auf den Kopf?“ trafen auf die Frage nach realistischen Einflussmöglichkeiten. Beeindruckend waren aber die Teilnehmer*innen. Sie alle hatten sich gemeldet, weil ihnen der Erhalt der liberalen Demokratie ein großes Anliegen ist. Entsprechend groß war auch die Beteiligung an den Diskussionen und die Fülle an Lösungsvorschlägen.
Drei zentrale Herausforderungen kristallisierten sich heraus:
- Mut zu Dialog und Widerstand: Wie stehen wir für demokratische Werte ein und führen auch unbequeme Gespräche?
- Kritisches Denken und Medienkompetenz: Wie fördern wir einen reflektierten Umgang mit (sozialen) Medien?
- Beteiligung: Wie gelingt echte, glaubhafte Mitbestimmung für Kinder, Jugendliche und Familien?
Zu allen drei Bereichen wurden konkrete Ansatzpunkte entwickelt: von der Verankerung kritischen Denkens im Leitbild über Fortbildungen, neue Beteiligungsformate, medienpädagogische Konzepte bis hin zu selbstverwalteten Budgets, Betriebsratsarbeit und einer stärkeren Fehlerfreundlichkeit in der Organisation.
Und wie geht es weiter?
Die Zukunftswerkstatt war kein Abschluss, sondern ein Anfang. Alle Teilnehmer*innen und auch die Geschäftsführungen haben nun den Auftrag, zu überlegen, welche Ideen im eigenen Arbeitsfeld umgesetzt werden können. Am 6. März folgt ein weiterer Termin, bei dem gemeinsam entschieden wird, welche Maßnahmen konkret realisiert werden.
Demokratiebildung ist kein Zusatz, sondern Teil unseres professionellen Selbstverständnisses. Die Zukunftswerkstatt hat gezeigt: Startklar hat nicht nur viele Ideen, sondern auch viele Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Susanne Coenen, Geschäftsführerin, Startklar Soziale Arbeit